Dr.-Ing. Lars Vollmer

30 Wege, um Lean Management in ein Desaster zu führen (Folge 10)

Bitte halten Sie sich aus allem raus oder legen die Zügel ganz eng an. Am besten abwechselnd: Sie halten alle Fäden fest in der Hand und geben dann immer mal wieder alles frei. Wichtig: Bleiben Sie bei den Extremen und wählen Sie nie eine Lösung dazwischen.

Ich bin ein großer Fan der Muppets-Show. Überhaupt: Puppen-Theater sind schon sehr lehrreich. Puppenspieler lieferen mit ihren Protagonisten immer wieder eine herrlich komödiantische Show ab, finden Sie nicht auch? Die Rollenverteilung ist dabei klassisch: Es gibt einen Bösewicht – das Krokodil; eine Prinzessin, den Tri-Tra-Trullala-Kasper und den Polizisten. Die Bandbreite der Gefühle gleicht einem Blockbuster. Der Kasper sorgt dafür, dass das Publikum in hohem Maße unterhalten wird. Die kleinen Zuschauer sind erschrocken, wenn das Krokodil die Prinzessin entführt und der Kasper bei dem Rettungsversuch auch schon mal gefressen wird. Alle lachen fröhlich vor sich hin, wenn der Polizist dem Krokodil eins auf den Deckel gibt. Und zack! sackt der Bösewicht zusammen und rührt sich nicht mehr. Dann ist erst einmal Ruhe. Die aber gefällt dem Publikum natürlich nicht. Es ist schließlich da, um unterhalten zu werden. Und weil auch nie der Polizist gewinnen kann, springt das totgeglaubte Krokodil fünf Minuten später überraschend wieder ins Geschehen. Das bringt Dynamik in die ganze Sache. Erst so wird ein Puppen-Theater zum Erfolg. Am Ende geht dann meistens alles gut. Fragt sich nur für wen.

Dramaturgisch lebt einen Puppengeschichte von Unsicherheit. Davon, dass Erwartungen geweckt und wieder enttäuscht werden. Und das natürlich im raschen Wechsel. So muss es auch im Unternehmen sein. Der Mitarbeiter darf sich nie in Sicherheit wiegen. Deshalb sollten Sie abwechseln die Fäden in der Hand halten und dann wieder locker lassen. Straffes Management und anarchieähnliche Freiheit – Freiheit und Management. Sie wissen schon, wie Sie Dynamik in Ihre Prozesse bringen. Geben Sie zum Beispiel Ziele und die dazugehörigen Maßnahmen ganz präzise vor – was wollen Sie wann wo erreicht haben. Und dann lassen Sie Ihre Mitarbeiter los ziehen. Am besten allein. Bieten Sie ihnen bloß keine Unterstützung an. Beobachten Sie aus der Ferne das Treiben. Und ganz wichtig: Seien Sie geduldig. Warten Sie ab. Auch wenn Sie schon die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Sie wissen: Geduld ist eine Tugend. Sie halten das durch. Und dann: Wenn keiner mit Ihnen rechnet, springen Sie ein und zeigen allen, wo es lang geht und setzen Ihre Ideen um. Wiederholen Sie das ruhig einige Male.

Im finalen Akt lassen Sie dann auch noch so richtig raushängen, dass das Projekt ohne Sie gescheitert wäre. Lassen Sie sich feiern. So sieht gute Unterhaltung aus. So brennen Sie sich ins Gedächtnis der Anwesenden. Und so sichern Sie sich Ihren Platz im Unternehmen langfristig. Mitarbeiterführung ist eben wie gutes Entertainment: Die Beteiligten dürfen sich nie in Sicherheit wiegen.

 

 

30 Wege, um Lean Management in ein Desaster zu führen.

Überblick über die bisher erschienenen Folgen.

Welche Wege fallen Ihnen noch ein, Lean Management in ein Desaster zu führen? Ich freu mich auf Ihre Vorschläge.

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Wir freuen uns auf Ihre Nachricht